INHALT RISS #82: AFFEKTE


Mit der Nr. 82 schliesst der RISS an die Thematik der vorangegangenen Nummer an. Geht es bei der Nr. 81 um Affektivität, so werden nun in der neuen Ausgabe, die im Oktober 2015 erscheinen ist, einzelne Affekte wie Liebe, Hass, Neid, Ekel, Angst fokussiert:

Pascale Hassoun
Der Neid (L'envie)

Der Begriff des Neids ist vielschichtig, im Französischen noch mehr als im Deutschen, weil envie noch andere Bedeutungen hat. Anhand eines klinischen Falls und in Anlehnung an Melanie Klein und Wilfried R. Bion präsentiert die Autorin den Neid als Pathologie der projektiven Identifizierung.

Schlüsselwörter: Neid, Eifersucht, Invidia, projektive Identifizierung,  Traum, Blick, Liebe, Hass.


Karl-Josef Pazzini
Ekel in der Übertragung


In der Kur wirken Aisthesis, Affekte, so auch Ekel. In der Übertragung breiten sie sich aus. So können sie anders zugeschnitten werden oder ändern sich schon durch die veränderten Bedingungen des Auftretens. Kunst präsentiert Hässliches und Ekliges, das in den Ritzen des Alltags hockt. Sie stemmt sich gegen die anstrengende Verleugnung, die Kraft raubt, sich zu freuen. Externe Agenten arbeiten in der Kur unkalkulierbar, aber unverzichtbar mit. In Fragmenten aus der Kur wird auch indirekt die Arbeit an Geschmacksurteilen, der Art, wie sie gefällt und verändert werden können, deutlich, auch wie sie in die Poren des individuellen Subjekts eindringen und von dort ausdünsten.


Schlüsselwörter: Affekt, Ekel, Geschmacksurteil, Übertragung, Kunst, Lucian Freud, Methode.


 

Olivia Dauverchain
Hass in der Liebe, Hass auf die Liebe


Die Autorin unterscheidet den Hass in der Liebe vom Hass auf die Liebe. Ist ersterer ein regelmäßig auftretendes Begleitphänomen der Liebe, so hat letzterer seine Ursache in der kapitalistischen Gesellschaft. Anhand des Romans von L. Calaferte Septentrion und des Films von S. Kubrick A Clockwork Orange demonstriert die Autorin ihre These und fragt sich, was die Psychoanalyse in dieser Situation tun kann.


Schlüsselwörter: Hass, Liebe, Gewalt, Kapitalismus, Septentrion, A Clockwork Orange.


 

Robert Langnickel
Angst als via regia zum Sein – Annäherungen an Heidegger


Der Beitrag untersucht zum einen die Frage, warum in den frühen und mittleren Schriften Heideggers die Angst eine ausgezeichnete Stimmung bzw. Befindlichkeit ist. Zum anderen wird nachgezeichnet, inwiefern Angst als via regia zu unserem In-der-Welt–Sein verstanden werden kann. Im Zentrum der Analyse stehen die Schriften Sein und Zeit, Was ist Metaphysik? und Die Grundbegriffe der Metaphysik.


Schlüsselwörter: Angst, Furcht, Schrecken, Martin Heidegger, Befindlichkeit, Stimmung, Erschlossenheit, Nichts, Sein.


 

Johannes Kleinbeck, Claire Nioche
«Der Körper, der in der Sprache wohnt».

Anmerkungen zum Affekt zwischen Psychoanalyse und Phänomenologie

 
Diese kurze propädeutische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Affekts nimmt ihn in zwei unterschiedlichen Perspektiven in den Blick: ausgehend von der Struktur der Sprache sowie ausgehend von der phänomenologischen Leiblichkeit. Wenn die Kausalität des Sexuellen zentral für die «Hypothese des Unbewussten» ist, dann gilt es den Körper als das zu fassen, was durch die Struktur der Sprache affiziert wird.


Schlüsselwörter: Affekt, Phänomenologie, Körper, das Sexuelle, Angst.


Marcus Coelen
Prolegomena zu einer Schreibung der Affekte

 
Sowohl psychoanalytische Theorien als auch das Denken einer kritischen Zuwendung zum Literarischen haben stets mit den Affekten gerungen. In ähnlichen Pendelbewegungen oszillieren beide zwischen einer Verwerfung der Affekte ins für sie nicht Relevante, gar für ihre eigene Bahne Hinderliche einerseits und, andererseits, in die Überhöhung der Affekte in jeweils Eigentliches. Die Philosophie, in einer Durcharbeitung der Aristotelischen Theorie der Affekte als Rhetorik, sekundiert diese Ausschläge. Ausgehend von Freuds rätselhafter Bestimmung der Identifizierung als Affizierung lassen sich – vorbereitend – jedoch beide als ausgesetzt in eine Hilflosigkeit denken, in Bezug auf welche jeder Affekt bereits Abwehr wäre. Diese Prolegomena geben bescheiden Ausblick auf ein Schreiben, das selbst von Hilflosigkeit affiziert wäre.


Schlüsselwörter: Affekt, Philosophie, Freud, Identifizierung, Hilflosigkeit, Schrift.


Vier Buchbesprechungen:



Christoph Zimmermann
Nathalie Jaudel: La légende noire de Jacques Lacan – Elisabeth Roudinesco et sa méthode historique


 

Carsten Wonneberger

Insa Härtel, unter Mitarbeit von Sonja Witte: Kinder der Erregung. «Übergriffe» und «Objekte» in kulturellen Konstellationen kindlich-jugendlicher Sexualität


 

Sulgi Lie
Johannes Binotto: Tat/Ort. Das Unheimliche und sein Raum in der Kultur


 

Hans-Dieter Gondek

Manfred Riepe: Der große Andere und der kleine Unterschied. Freud, Lacan, Saussure und die Metapher des Geschlechts


 

Abstracts und Schlüsselwörter d / f / e


Autoren


RISS - Zeitschrift für Psychoanalyse (ISSN 1019-1976)

Aktuelle Ausgabe: RISS #82 (2015/2)
Thema: Affekte (Neid, Liebe, Hass, Ekel, Angst, u.a.)
Erscheinungsdatum: 10.2015
Spezifikationen Druckausgabe: Softcover, A5, 136 S.

ISBN 978-3-03846-015-2

Preis: CHF 24.- / € 22.- (Im 4er-Abonnement CHF 79.- / € 71.-)

inkl. Porto (Economy)

Buchhandel: 30 % Ermässigung.

Bestellen: Email an bestellung@editionriss.com oder im VISSIVO Verlag sowie in Buchhandlungen.


Leseprobe: RISS82_Leseprobe.pdf


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